Mit Emil Berliner fing alles an

Der Name »Emil Berliner Studios« geht nicht auf unseren Standort Berlin zurück, sondern auf Emil Berliner (1851–1929), den legendären Erfinder des Grammophons und der Schallplatte. 1898, nur ein gutes Jahrzehnt nach Erfindung der Schallplatte, gründete Emil Berliner in Hannover die »Deutsche Grammophon Gesellschaft«. Und bereits 1900 wurde das erste Tonstudio der Gesellschaft in Berlin eingerichtet.

Als hauseigenes Studio der renommierten Deutschen Grammophon blicken die Emil Berliner Studios damit auf eine stolze, über 120-jährige Tradition zurück. Mit unzähligen bedeutenden Produktionen und der Entwicklung vieler bahnbrechender technischer Neuerungen wurde hier Schallplattengeschichte geschrieben.

Die Technik änderte sich im Laufe der Zeit dabei ebenso wie die Eigentümerverhältnisse: Während aus der 17cm großen Schellackplatte die LP mit 30cm Durchmesser und schließlich die CD wurde, tauchen in der Geschichte der Studios Namen wie Telefunken, Siemens und Philips gleichermaßen auf wie Polydor, PolyGram und schließlich Universal Music.

Im Mai 2008 führte schließlich ein Management-Buyout zur Gründung der »EBS Productions GmbH & Co. KG«. Der Name »Emil Berliner Studios« wird unter dem Dach dieser Firma weitergeführt, die sich seither zu einem unabhängigen Produktionsstudio für akustische Musik entwickelt hat: Wir sind im Klassik-Bereich weiterhin sehr aktiv, haben aber unsere Aufnahmetätigkeiten mit großem Erfolg um die Bereiche Jazz-, Crossover- und Filmmusik-Produktionen erweitert. Zu unseren Kunden zählen verschiedenste große und kleine Labels, Solokünstler, Orchester, Bands ebenso wie Komponisten und Produzenten aus der ganzen Welt.

Standortwechsel haben die Studios schon einige durchlebt – der letzte erfolgte im Zuge der Gründung der Emil Berliner Studios als unabhängiges Produktionsstudio vom langjährigen Standort Hannover/Langenhagen nach Berlin. Seit Frühjahr 2010 liegen unsere Studios nun in der Köthener Straße im Herzen der Stadt, nur einen Katzensprung vom Potsdamer Platz entfernt

Bilder aus der Geschichte eines Tonstudios

120 Jahre Tonstudiogeschichte

Die technischen, künstlerischen und politischen Veränderungen seit Ende des 19. Jahrhunderts lassen sich auch anhand von Fotos und Dokumenten darstellen – hier eine Auswahl aus mehr als 120 Jahren Aufnahmegeschichte.

120 Jahre Tonstudiogeschichte
1887

Emil Berliner meldet sein »Gramophone«-System in den USA zum Patent an und treibt die Entwicklung der Schallplatte zum Massenmedium voran.

1887
1888

Berliners Erfindung basiert auf der Ätzung der Rille in eine Zinkplatte. Erst 1901 ersetzt er die Zink- durch eine Wachsplatte, in die eine viel glattere (rauschärmere) Rille geschnitten werden kann.

1888
1890

Der Physiker Heinrich von Helmholtz lädt Emil Berliner ein, sein Grammophon in Berlin zu demonstrieren – für den Autodidakten Berliner eine große Ehre und ein durchschlagender Erfolg.

1890
1890

Emil Berliner besucht seine Heimatstadt Hannover und lässt die ersten Grammophone in der Puppenfabrik Kämmerer & Reinhardt am Rande des Thüringer Walds produzieren.

1890
1895

Die Keimzelle der Schallplattenindustrie: Emil Berliner (vorn links) mit seinen Mitarbeitern, darunter die später berühmten Tonmeister Fred Gaisberg, William Sinkler Darby und Joe Sanders (hinter Berliner, v. l. n. r.).

1895
1898

London, Henrietta Street: In einem Hotel richten Berliners Aufnahmespezialisten Gaisberg und Sanders für die neu gegründete Gramophone Company ein erstes Schallplatten-Aufnahmestudio ein.

1898
1898

Hannover, Kniestraße: Zusammen mit seinem Bruder Joseph (2. v. r.) gründet Emil Berliner die Deutsche Grammophon Gesellschaft, die erste reine Schallplattenfabrik der Welt.

1898
1900

Berlin, Ritterstraße: Die Deutsche Grammophon eröffnet eine Zweigniederlassung und richtet dort Aufnahmestudios ein, die von der britischen Muttergesellschaft Gramophone Company technisch ausgestattet werden.

1900
1905

Bombay, auf einer Aufnahmeexpedition: Max Hampe von der Deutschen Grammophon und sein Kollege William Sinkler Darby von der britischen Gramophone Company.

1905
1909

Jasnaja Poljana, Leo Tolstois Landgut südlich von Moskau: Max Hampe zeichnet Sprachaufnahmen mit dem großen Dichter auf, der die Aufnahmewachse eigenhändig signiert.

1909
1909

Hannover, Podbielskistraße: Die Ingenieure um Joseph Berliner entwickeln die Schallplatte kontinuierlich weiter.

1909
um 1910

In Hannover werden nicht nur Schallplatten gepresst, sondern auch Grammophone zusammengebaut. Die Aufnahmestudios befinden sich weiterhin in der Musikmetropole Berlin.

um 1910
1911

Berlin, Ritterstraße: Im Tonstudio der Deutschen Grammophon leitet Bruno Seidler-Winkler eine Aufnahme mit Tenor Karl Jörn. An den beweglichen Trichtern Tonmeister Charles Scheuplein von der britischen Gramophone Company.

1911
1913

Berlin, Ritterstraße, 12. September: Alfred Hertz, Kapellmeister der New Yorker Metropolitan Opera, nimmt mit dem Berliner Philharmonischen Orchester Auszüge aus Wagners »Parsifal« auf.

1913
1915

Der Erste Weltkrieg macht aus Kollegen Feinde: Max Hampe (Mitte) als Vizefeldwebel an der Westfront. Die Verbindungen zwischen britischer Gramophone Company und Deutscher Grammophon zerreißen.

1915
1917

Das Vermögen der Gramophone Company Ltd., in deren Eigentum sich die Aktien der Deutschen Grammophon AG befinden, wird im Deutschen Reich beschlagnahmt und in einer Zwangsversteigerung von der Polyphon-Musikwerke AG erworben

1917
um 1920

Die Berliner Aufnahmeabteilung muss sich aufgrund der Trennung von der Londoner Gramophone Company neu aufstellen, Tonmeister werden eingestellt – hier Paul Goile mit Wilhelm Kempff im Studio.

um 1920
1921

Berlin, Markgrafenstraße: Operndiva Frieda Hempel, Dirigent Bruno Seidler-Winkler, Tonmeister Paul Goile (in Weiß) und Orchester im neuen Tonstudio der Deutschen Grammophon, das von 1918 bis 1932 benutzt wurde.

1921
1922–1925

Walter Buhre entwickelt das elektrische Aufnahmeverfahren für die Deutsche Grammophon. 1929 geht er nach Japan und wirkt bis 1953 als Tonmeister und Leiter der Fabrik von Polydor Nippon.

1922–1925
1926

Paul Godwin mit seinem Orchester im Studio. Tonmeister Walter Buhre probiert viele Mikrofone aus und konstruiert auch eigene Modelle, hier das Reisz-Mikrofon und ein selten genutztes Kathodofon der Firma C. Lorenz.

1926
1928

Berlin, Musikhochschule am Zoo: Tonmeister Carl Friedrich Ehrich im Regieraum an der Wachsschneidemaschine. Größere Orchesteraufnahmen werden zunehmend mit mobiler Technik in Konzertsälen aufgenommen.

1928
um 1928

Walter Schindler, Werkstattleiter der Aufnahmeabteilung Berlin, baut nach Buhres Plänen die elektrischen Schalldosen für die Aufnahmegeräte der Deutschen Grammophon.

um 1928
1929

Skizzen von Schaltkreisen für Haupt- und Lautsprecherverstärker aus dem Notizbuch von Walter Schindler. Das Studioequipment wird größtenteils selber entwickelt und gebaut.

1929
1929

Aufnahmeexpedition in Persien, 8. Januar: » ... und zum viertem Male zogen wir den Karren aus dem Graben. Ganz rechts außen Herr Blaesche bei der Arbeit«.

1929
um 1930

Die Herstellung der Aufnahmewachse übernimmt die Chemikerin Dr. Marie Finkelstein, sie entwickelt die geheime Rezeptur der »Finkelstein-Wachse«. Hier überprüft Tonmeister Ehrich die Klangqualität eines Schnitts.

um 1930
1930

Paris, Polydor-Studio, 9. Januar: Produzentin Erna Elchlepp und Maurice Ravel bei der Einspielung des »Boléro«. Die Studio-Technik kommt aus Berlin.

1930
1933

Der Generaldirektor der Deutschen Grammophon Bruno Borchardt und sein Kollege Fritz Schönheimer fliehen nach Frankreich, Schönheimer übernimmt von Erna Elchlepp die Leitung der Société Phonographique Française Polydor.

1933
1933

Paris: Im Mai des Jahres Verabschiedung von Erna Elchlepp (Mitte, eingerahmt von Herbert Borchardt und Fritz Schönheimer). Borchardt und Schönheimer emigrieren 1941 nach New York.

1933
1935

Protokoll einer Aufnahme mit James Kok und seinem Orchester. Die Aufnahmewachse werden in der hauseigenen Galvanik in Berlin entwickelt, die Fabrik in Hannover erhält die fertigen Metallwerkzeuge.

1935
1937

Berlin, Lützowstraße: Richard Strauss im Aufnahmestudio der Deutschen Grammophon. Kurze Zeit später muss das Studio im Zuge von Albert Speers Plänen zur monumentalen Neugestaltung Berlins abgerissen werden.

1937
1938

Berlin, Alte Jakobstraße: Im ehemaligen Central-Theater richtet die Deutsche Grammophon zwei Aufnahmestudios ein. Neben Tanzmusik und Klassik werden zunehmend Propaganda-Aufnahmen durchgeführt.

1938
1938

Tonmeister Oskar Blaesche in einem Regieraum in der Alten Jakobstraße. Im Vordergrund zwei Wachs-Schneidmaschinen von Neumann sowie die runden Kartons mit Aufnahmewachsen.

1938
1939

Herbert von Karajan im Studio in der Alten Jakobstraße. Die Aufnahmen werden sicherheitshalber mit zwei Apparaturen parallel durchgeführt.

1939
1941

In einem Vortrag beim neuen Eigentümer Siemens skizziert Direktor Hugo Wünsch die Aufnahmetechnik. Ein Jahr später entwickelt Dr. Emil Duhme (Siemens) für die Grammophon die Silberbedampfung der Aufnahmewachse im Vakuum.

1941
1943

Aufnahmeprotokoll des Ensembles Charlie and his Orchestra. Diese für Propaganda-Zwecke zusammengestellte Bigband der NS-Zeit produziert Jazz und sonstige »verfemte« Musik für deutsche Rundfunksendungen im Ausland.

1943
1945

Das Studio in der Alten Jakobstraße wird durch einen Bombenangriff zerstört. Eine Aufnahmeapparatur kann aus den Trümmern gerettet werden, wird kurze Zeit später aber von der russischen Besatzungsmacht konfisziert.

1945
1945

Berlin, Ringbahnstraße: Im zerbombten Verwaltungsgebäude der Deutschen Grammophon werden Pressen installiert, um den sowjetischen Sektor beliefern zu können. Ein Studio ist geplant, der Standort wird aber 1949 aufgegeben.

1945
1945

Hannover, Podbielskistraße: Auf dem Gelände der stark zerstörten Fabrik wird eine zweite Tonabteilung aufgebaut.

1945
1945

Neuanfang: Die ersten Aufnahmen im Oktober werden im Capitol in Hannover mobil auf Magnetband (statt wie bisher auf Wachs) durchgeführt.

1945
ab 1945

Die neue Aufnahmeabteilung in Hannover setzt konsequent auf das neue Medium Magnettonband. Ein musikalischer Schnitt der Bänder wird nun möglich.

ab 1945
1949

Berlin: Während der Berlin-Blockade fliegt alle 3 bis 4 Minuten ein Candy-Bomber über das Studio. Der tieffrequente Motorenlärm ist häufig auf dem Band zu hören und in der Frequenzanalyse sichtbar.

1949
1949

Dr. Gerd Schöttler und Alexander Schaaf entwickeln die variable Rillensteuerung »Variable Micrograde 78«. Damit kann die Spielzeit von 5 auf 9 Minuten gesteigert und neues Repertoire erschlossen werden.

1949
1950

Helmut Naida und Georg Söffker bei der Überspielung einer Bandaufnahme. Neue gegengekoppelte Schreiber schneiden nun die Rille in Lack statt in Wachs. Der Frequenzgang steigt bis auf 15.000 Hz, ein großer Qualitätssprung.

1950
1952

Hamburg, Studio »Erholung«: Das fest installierte Studio II wird weiter ausgebaut, eine Hammondorgel angeschafft. Aufnahme von »Vis à vis, mon ami« mit Michael Jary und Renée Franke.

1952
1952

Hannover, Beethovensaal: Aufnahme mit Heinz Wildhagen, Hans Westphal und Werner Grimme. Das Mischpult besitzt vier Kanalzüge. Zum Einsatz kommen hauptsächlich Neumann U-47-Mikrofone.

1952
1954

Berlin, Jesus-Christus-Kirche: Vier Jahre vor Einführung der Stereo-LP werden erste Stereo-Aufnahmen gemacht. Aufgrund der hervorragenden Akustik der Kirche kommt hier nur ein einziges Stereo-Mikrofon zum Einsatz.

1954
1956

Günter Hermanns assistiert Cheftonmeister Werner Wolf am ersten Stereo-Mischpult der Aufnahmeabteilung. Fünf Kanäle sind jeweils direkt auf die linke und rechte Summe geroutet, einen Panpot gibt es noch nicht im Kanalzug.

1956
1959

Berlin, Jesus-Christus-Kirche: Ein festes Tonstudio mit 12-Kanal-Röhrenmischpult wird installiert, mit Panpots für immerhin für 6 Kanäle. Dieses Pult ist bei uns immer noch im Einsatz.

1959
1960

Dresden, Regieraum der Lukaskirche: Bei der Aufnahme von Strauss’ »Elektra« (von links): Wolfgang Lohse, Heinrich Keilholz, Jean Madeira, Karl Böhm, Hans-Peter Schweigmann, Inge Borgk und Magdalene Padberg.

1960
1962

München: Tontechniker Wolfgang Werner, Karl Richter, Aufnahmeleiter Hans Weber und Tonmeister Hans-Peter Schweigmann bei einer Aufnahme.

1962
1962

München, Residenz: Die Aufnahmeabteilung rüstet das Studio mit dem neuen 18-kanaligen Röhrenmischpult aus.

1962

Ernst von Siemens, der Aufsichtsratsvorsitzende der Deutschen Grammophon, kommt häufig zu Aufnahmen in den Regieraum – hier mit Volker Martin, Carl Orff, Siegfried Janzen und Hans Weber.

1964

Mailand, La Scala: Aufnahme des »Rigoletto«. Zur Verbesserung der Akustik wird der Zuschauerraum mit Folien ausgekleidet. Ein Gerüst hält die Sänger auf dem gewünschten Abstand zum Mikrofon.

1964
1967

Berlin, Studio auf dem Ufa-Gelände: Aufnahme von »Così fan tutte«. Das Radar vom nahe gelegenen Flughafen Tempelhof streut in die Leitungen gefährliche hochfrequente Störungen ein, was eine spezielle Abschirmung erfordert.

1967
1971

Boston, Symphony Hall: Peter K. Burkowitz (3. v. l.) stellt der internationalen Presse den neuen Regieraum vor.

1971
1971

Boston, Symphony Hall: Günter Hermanns im Tonstudio. In Boston werden mehr und mehr Produktionen in Mehrspurtechnik für die quadrophonische Wiedergabe erstellt.

1971
1973

Leverkusen, Forum: Carl Orff, Herbert von Karajan, Tonmeister Günter Hermanns, Aufnahmeleiter Hans Weber, die Tontechniker Jürgen Bulgrin und Volker Martin im mobilen Regieraum.

1973
1974

Know-how Transfer: Der technische Leiter der Aufnahmeabteilung Ernst Kwoll (links) und Thomas Maler (rechts) interviewen Walter Buhre, der 50 Jahre zuvor das elektrische Aufnahmeverfahren bei der DG entwickelte.

1974
1974

München: Hans-Peter Schweigmann, Werner Mayer und Edith Mathis am neuen PolyGram Modul-Mixer während einer Aufnahme.

1974
um 1975

Hannover-Langenhagen: Klaus Behrens im neuen Recording Center beim Schnitt von 4-Spur-Bändern.

um 1975
um 1975

Hannover-Langenhagen: Hans Weber und Klaus Scheibe bei der Mischung einer Mehrspur-Aufnahme.

um 1975

Hannover, Podbielskistraße: Michael Tilson Thomas, Christoph Eschenbach und Geschäftsführer Dr. Hans-Werner Steinhausen in der Überspielung.

um 1975

Günther Struck ist maßgeblich an der Entwicklung und der Qualitätskontrolle der Schneidtechnik bei der Deutschen Grammophon beteiligt.

um 1975
um 1975

Der Physiker Oswald Stephani im akustischen Labor der Deutschen Grammophon.

um 1975
um 1975

Jede Aufnahme durchläuft vor einer Veröffentlichung eine musikalische wie technische Qualitätskontrolle. Hier überprüft Otto Ernst Wohlert eine Testpressung.

um 1975
1975

Kurz vor Einführung der Digitaltechnik wird an der Einführung von Diamant- statt Saphirstichel gearbeitet, um die Qualität der Schallplatte weiter zu steigern.

1975
1976

Hannover-Langenhagen: Aufnahmeleiter Hans Weber beim Anhören und Schnitt der analogen Mehrspurbänder der »Meistersinger«-Produktion. Für den Schnitt werden zwei 16-Spur / 2-Zoll Studer A-80 benutzt.

1976

Schnittpartitur mit 16-Spur-Bandschnipseln. Falls ein Schnitt nachträglich wieder geändert werden muss, werden diese an den entsprechenden Stellen in die Partitur eingeklebt.

Hannover-Langenhagen: Aufnahmeleiter und Tonmeister Wolfgang Mitlehner hört eine Kammermusik-Aufnahme ab und erstellt den Schnittplan für die 1/4-Zoll / 2-Spur-Bänder – geschnitten wird mit Schere und Kleber.

1979

Wien, Musikverein: Leonard Bernstein, Aufnahmeleiter Hans Weber und Tonmeister Klaus Scheibe im Regieraum während einer Abhörsitzung der »Fidelio«-Produktion. Bei dieser Produktion kommen 8-Spur-Bandmaschinen zum Einsatz.

1979

Hannover-Langenhagen: Hella Schröder an der VMS 70 im Studio nach dem Umzug der Überspielung in das neue Recording Center.

1977

In der Abteilung Special Projects entwickeln Klaus Hiemann und Jost Haase Geräte und Anwendungen zu Themen wie Nachhallmessung und Kunstkopfaufnahmen. Mehrere Patente werden angemeldet.

1977
1979

Ab Januar werden die Aufnahmen analog sowie parallel in der neuen Digitaltechnik produziert. Da noch kein digitaler Schnittplatz einsatzfähig ist, werden die Produktionen noch analog geschnitten und veröffentlicht.

1979
1980

Rainer Höpfner beim Schnitt am Prototypen eines digitalen Sony-Schnittplatzes, der zusammen mit der Aufnahmeabteilung entwickelt wird.

1980
1981

Hannover-Langenhagen: Leonard Bernstein mit Dr. Hermann Franz, Klaus P. Burkowitz und Godefried Schulze im Schneidstudio an der Neumann VMS 80. Noch werden die neuen Digitalaufnahmen nur auf Vinyl veröffentlicht.

1981
1982

Hannover-Langenhagen: Jobst Eberhardt beim Schnitt der »Alpensinfonie«, die erste offizielle CD-Veröffentlichung der DGG. Die Aufnahme aus dem Jahr 1980 wurde digital mit 24 Spuren aufgezeichnet.

1982
1982

Hannover-Langenhagen: Im Werk II stellen Dr. Hermann R. Franz und Claudio Arrau der Presse die Compact Disc vor.

1982
um 1983

Hannover-Langenhagen: Hans Peter Schweigmann im Recording Center. Als digitaler 2-Spur-Schnittplatz steht der Sony DAE 1100 zur Verfügung.

um 1983
1984

New York: Leonard Bernstein nimmt die »West Side Story« auf. Als Hauptmikrofone werden zwei auf Plexiglas aufgeklebte Sennheiser PZM-Mikrofone benutzt.

1984
1991

In Zusammenarbeit mit Yamaha wird das digitale Mischpult DMC 1000 entwickelt und bei Aufnahme wie Postproduktion eingeführt.

1991
1991

London: Stefan Shibata bei einer Aufnahme mit parallelem Vergleichsaufbau von analogen und digitalen Mischpulten.

1991
1994

Köln: Aufnahmeleiter und Tonmeister Karl-August Naegler im Regieraum während einer Aufnahme in 24-bit-Technologie (4-Spur / Nagra-D).

1994
1996

Hannover-Langenhagen: Auch die Straße vor dem Werk wird auf Anregung von Cheftonmeister Klaus Hiemann nach dem Erfinder der Schallplatte umbenannt.

1996
1995

Hannover-Langenhagen: Die Aufnahmeabteilung zieht in einen Neubau mit 18 Postproduktions-Studios ein, der nach dem Firmengründer Emil Berliner benannt wird.

1995
1996

Hannover-Langenhagen: Klaus Hiemann bei einer Mischung im Emil Berliner Haus. Die Aufnahmeabteilung modifiziert ihre digitalen Sony 3324 Mehrspur-Recorder von 16 auf 24 bit.

1996
1998

Die ersten Mehrspur-Aufnahmen in 96 kHz sind eine wahre Materialschlacht – hier 16 Spuren in 24 bit.

1998
1999

Berlin: Produktion mit einem Reisz-Mikrofon aus dem Jahre 1925. V. l. n. r.: Rainer Maillard, Manfred Hibbing (Sennheiser), Max Raabe, Klaus Hiemann und Wolf-Dieter Karwatky.

1999
2002

Variable Richtcharakteristik: In Zusammenarbeit mit Herrn Hibbing (Sennheiser) entstehen Prototypen mit getrennt herausgeführten Signalen zweier Kapseln: Kugel/Acht (links) und Doppelmembran Niere (rechts).

2002

Bernd Moldenhauer überprüft eine historische Matrize mit dem Mikroskop, um ein Remastering zu starten.

2005

Hannover-Langenhagen, Emil Berliner Studios: Der Tonmeister und Experte für historische Tonbänder Andrew Wedman hinter einer analogen 3-Spur-Ampex-Maschine.

2005
2006

Caracas: Gustavo Dudamel und das Simón Bolívar Symphony Orchestra of Venezuela. Das Equipment für die Aufnahmen wird zunehmend kleiner und leichter und im Flugzeug transportiert.

2006
2006

Dresden, Lukaskirche: Rolando Villazón und Anna Netrebko während einer Aufnahme.

2006
2007

Berlin, Jesus-Christus-Kirche: Hans-Ulrich Bastin, Ulrich Vette, Pierre Boulez, Matthias Spindler und Christian Gansch im Regieraum während der Aufnahme der Achten Sinfonie von Gustav Mahler.

2007
2008

Ein Management Buy-Out führt zur Gründung der »EBS Productions GmbH & Co. KG«, die den Namen »Emil Berliner Studios« weiterträgt: Rainer Höpfner, Hans-Ulrich Bastin, Rainer Maillard, Evert Menting und Stephan Flock.

2008
2008

Wien, Musikverein: Der Aufnahmebetrieb geht nahtlos weiter – mobile Aufnahme mit Vladimir Repin und Riccardo Muti.

2008
2009

Hannover-Langenhagen: Aufnahme mit Ulrich Tukur in den Emil Berliner Studios, die letzte vor dem Umzug nach Berlin.

2009
2010

Berlin, Köthener Straße: Kernsanierung und anschließender Einzug.

2010
2011

Berlin, Köthener Straße: Aufnahme im neuen Studio.

2011
2011

Die Emil Berliner Studios greifen das fast vergessene Direct-to-Disc-Aufnahmeverfahren wieder auf. Tonmeister Stephan Flock überprüft die Mikrofonierung im Meistersaal.

2011
2012

Baden-Baden: Tonmeister Daniel Kemper beim Mikrofonaufbau für die Live-Aufnahme einer Mozart-Oper.

2012
2014

Berlin, Philharmonie: Erstmals seit fast 70 Jahren führen die Emil Berliner Studios wieder einen mobilen Direktschnitt durch. Maarten de Boer assistiert Sir Simon Rattle beim Signieren der Aufnahme-Lackfolie.

2014
2016

Aufnahmesession mit Sting und einem syrischen Ensemble in den Emil Berliner Studios.

2016
2016

Bevor wir uns etwas vormachen – Hörtests als Blindtests...

2016
2017

Im Team: Julian Helms, Stephan Flock, Rainer Maillard, Frederic Stader, Justus Beyer, Angela Chastenier, Philip Krause und Lukas Kowalski in den Emil Berliner Studios.

2017
2018

Bandkarton einer Aufnahme der »Carmen« aus dem Jahr 1977. Diese analoge 16-Spur-Aufnahme wird aufwändig remastert und in Japan auf SACD neu aufgelegt. Zwei Jahre später folgt eine Surround 5.1- und Dolby-Atmos-Mischung.

2018
2018

Emil Berliner goes immersive: Hörsession und Diskussion über Klangphilosophien von 3D-Audio.

2018
2020

Binaurale Kunstkopfaufnahmen sind zwar keine neue Erfindung, sorgen aber immer wieder für Erstaunen.

2020

Haben Sie Anmerkungen, Kritik oder Ergänzungen? Dann schreiben Sie uns bitte. Wir suchen nach weiteren Fotos, Quellen und Dokumenten zur Geschichte der Emil Berliner Studios.

Die etwas andere Geschichte der Schall-Platte - von Peter K. Burkowitz

Peter K. Burkowitz, ehemaliger Technischer Leiter von PolyGram und damit auch Teil der langen Geschichte der Emil Berliner Studios, hat in den letzten Jahren seines Lebens eine umfangreiche Chronik über die Geschichte der Schallaufzeichnung geschrieben. Sie beginnt mit der Geburt von Emil Berliner (1870), schildert zahlreiche wichtige Ereignisse auf dem Weg der Schallplatten-Entwicklung und endet mit dem Standortwechsel der Emil Berliner Studios (als nunmehr unabhängiges Studio) von Hannover nach Berlin im Jahr 2010.

Im Juni 2012 ist Herr Burkowitz im Alter von 92 Jahren verstorben. Wir sind ihm sehr dankbar für seine umfangreiche Recherche und die Genehmigung, seine Chronik an dieser Stelle zu verwenden, und werden ihn – nicht zuletzt dadurch – in guter Erinnerung behalten.

 

 

1870

Der am 20. 5. 1851 in Hannover geborene Emil Berliner begleitet einen Bekannten der Familie, Nathan Gotthelf, in die Auswanderung nach den USA. Dort weckt das soeben neu entwickelte Telefon sein Interesse und er konstruiert eine Verbesserung des Mikrofons. Alexander Graham Bell kauft die Patentanmeldung für 50.000 $, was Berliner bis auf weiteres wirtschaftlich unabhängig macht und ihm die Einrichtung eines Labors ermöglicht, außerdem (während vorübergehender Rückkehr nach Deutschland zusammen mit seinem Bruder Joseph) 1881 in Hannover auch die Gründung der J. Berliner Telefonfabrik, zu der Zeit die erste in Europa.

 

1887

Am 26. September, in die USA zurückgekehrt, meldet Berliner sein inzwischen funktionsfähig entwickeltes »Gramophone«-Schallplatten-System (in Zinkplatte geätzte Seitenschrift) zum Patent an (Amerik. Pat.-Nr. 15232, erteilt am 8. 11. 1887). Zuvor war in Platten-Form eine Tiefenschrift-Platte von Edison bekannt geworden (Brit. Pat.-Nr. 1644, angemeldet am 24. 4. 1878, erteilt bereits am 6. 8. 1878; seine gleichzeitig in USA eingereichte Anmeldung wurde mit Hinweis auf »Britische Priorität« für USA versagt!). In den Zeichnungen zu diesem Patent ist die »Schall-Platte« vorweggenommen. Edison konnte jedoch keine funktionsfähige Ausführung nachweisen.

 

1893

gründet Emil Berliner in Washington die United States Gramophone Company. Fred Gaisberg wird sein erster, alsbald weltweit bekannter Aufnahme-Produzent.

 

1895

Am 8. Oktober gründet E. Berliner zwecks Kapitalerweiterung mit Teilhabern in Philadelphia die Berliner Gramophone Company. Diese geht 1904, wiederum zwecks Erweiterung der Geschäftsgrundlage, in die Victor Talking Machine Co. über (Dir. Frank Seaman), die 1929 von RCA übernommen wird (Label: RCA Victor).

 

1896

überträgt E. Berliner für 15 Jahre alle Vertriebsrechte für die USA an die von Frank Seaman (aufgrund der Konstruktion eines erstmals betriebssicheren Federlaufwerks durch Eldridge R. Johnson) gegründete National Gramophone Company, die auch Herstellung und Lieferung der sich rasch ausweitenden Exporte übernehmen. In den belieferten Ländern regt sich jedoch alsbald Unmut über das einseitig amerikanische Repertoire.

 

1897

Berliner beauftragt daraufhin zwei UK-Partner, William Barry Owen und Trevor Williams, zur Erstellung internationalen Repertoires in London die UK Gramophone Company zu gründen, zunächst geplant als Artist & Repertoire Center.

In New York und Philadelphia werden Aufnahme-Studios eingerichtet.

Hartgummi wird als Pressmasse durch Schellack ersetzt.

 

1898

Im Juli errichten Berliners Aufnahme-Spezialisten Fred Gaisberg und Joe Sanders in Räumen des Cockburn-Hotel, London, Henrietta Street, ein erstes Schallplatten-Aufnahmestudio im europäischen Wirtschaftsraum.

Berliners US-Produktions-Partner Frank Seaman beobachtet diese Entwicklung argwöhnisch und stoppt alle Plattenlieferungen an Emil Berliners Vertriebsniederlassungen. In einer eilends einberufenen ad-hoc-Konferenz mit seinen engsten Vertrauten entsteht daraufhin der Beschluss, in der Telefonfabrik seiner Brüder Joseph und Jakob in Hannover eine Schallplattenfertigung zu improvisieren. Zwecks erster Hilfestellung wird Joe Sanders nach Hannover entsandt. Der Schachzug gelingt und entkräftet Seamans Embargo. Die anfangs nur behelfsmäßige Fertigung in Hannover entwickelt sich über Erwarten gut. Am 6. Dezember gründet Emil Berliner daraufhin mittels seiner Brüder Joseph und Jakob in Hannover die Deutsche Grammophon GmbH und in kleinem Umfang auch eine Grammophon-Apparate-Montage, zu der die Teile aus den USA kommen. Bis zum Ersten Weltkrieg entwickeln sich Berliners Schallplatten-Produktionen zum Weltmarktführer.

 

1900

Angesichts eines Patentstreits in den USA verlegt Berliner seinen Firmensitz nach Kanada und gründet in Montréal, Stadtteil Saint-Henri, die Gram-O-Phone Co. Die »Hunde-Marke« erhält den Schriftzug His Master´s Voice.

Am 27. Juni wird die Deutsche Grammophon GmbH in eine Aktiengesellschaft umgewandelt; Gründer sind die Deutsche Grammophon GmbH, die Orpheus Musikwerke GmbH, Leipzig, und die UK Gramophone Company, London. Letztere übernimmt kurz darauf alle Anteile.

Wegen Namensänderung in London wird ab Dezember vorübergehend (bis 1908) auch der Betrieb in Hannover in Gramophone & Typewriter GmbH umbenannt.

Das Hauptquartier der Deutsche Grammophon AG und die Geräte-Montage werden nach Berlin-Kreuzberg, Ritterstraße 36, verlegt, und es wird auch ein Aufnahme-Atelier mit Werkstatt eingerichtet. Vorstand der Deutsche Grammophon AG wird der schon zu den Gründern der Berliner Gramophone Co. in Philadelphia gehörende Theodore B. Birnbaum.

Zweigniederlassungen in Russland und Österreich werden gegründet.

Übergang von der Zinkätzung zum Wachsschnitt. (Für die Herstellung des Originals verwendete Berliner bis dato eine Zinkplatte mit einer dünnen Hartfettschicht. Bei der Aufnahme verdrängte der mit der Membran der Schalldose verbundene Stift diese Schicht bis zur Metalloberfläche genau entsprechend dem Verlauf der Schallschwingungen. Anschließend wurde die derart „beschriebene“ Zinkplatte in ein Ätzbad getaucht, wodurch der Schwingungsverlauf sich kanalförmig in das Metall „hineinfraß“. Davon wurden dann mit den bekannten galvanoplastischen Verfahren die Kupferabzüge bis zur Pressmatrize hergestellt. Die so entstandenen Rillenoberflächen waren aber alles andere als glatt und blank, was beim Abspielen erhebliche Geräusche verursachte. Deshalb wurde dieses Verfahren aufgegeben und durch den allgemein üblich werdenden Schnitt einer keilförmigen, glatten Rille mittels polierter Schneidstichel in eine massive runde Wachsplatte ersetzt.)

 

1901

Vergrößerung des Plattenformats von 17 cm auf 25 cm und Einführung der Papier-Etiketten.

Berliners GRAM-O-PHONE in Kanada hat bereits zwei Millionen Platten verkauft, in der Rue Sainte-Catherine einen Nipper-tapezierten Laden eingerichtet und ein großzügig eingerichtetes Tonstudio eröffnet, das vor allem vielen Jazz-Musikern (wie sich herausstellt, äußerst erfolgreiche) eine unbehelligte Aufnahme-Arbeit bietet, nachdem der Autofabrikant Ford in den USA eine Hetzkampagne gegen Jazz als „Jüdisches Machwerk“ entfesselt hatte [s. Artikel von Lothar Baier, DIE ZEIT].

Deutsche Grammophon wirbt: »Wir offerieren über 5.000 Aufnahmen (Gaisbergs Verdienst! – d. Verf.) in allen Sprachen der Welt. Stärkster Ton! Natürlichster Ton! Harte Platten – keine weichen Walzen!«

 

1902

Die ersten sechs Aufnahmen mit dem noch jungen Caruso für 100 £ Honorar (1 £ = 20 Reichsmark = 10 Tage Arbeitslohn).

Nach großem Erfolg erster Lizenzvertrag mit damaligem Star-Tenor Francesco Tamagno. Beteiligung: 10 % vom Verkaufspreis von 1 £ pro Platte.

Platten-Durchmesser erstmalig 30 cm, Spielzeit ca. 5 Minuten.

1901/02: 25 % Dividende.

Wegen beginnender Raumknappheit in Hannover, Kniestraße, Pacht des Fabrikgrundstücks an der Podbielskistraße (vormals Celler Straße, Groß-Buchholz, Separatorenfabrik Franz Daseking).

 

1903

Die DGG kauft den wenige Jahre zuvor gegründeten Wettbewerber International Zonophon Company in Berlin und spaltet die Angebotspolitik in Hochpreis (DG Klassik, Emblem »Schreibender Engel«) und Niedrigpreis (Zonophon, U- und Volksmusik, Verkauf über Grossisten).

 

1904

Theodore B. Birnbaum geht nach London als Generaldirektor sämtlicher europäischer Grammophon-Gesellschaften. Nachfolger in Berlin wird N. M. Rodkinson von der Niederlassung in St. Petersburg.

Erste doppelseitige Platten.

Einzelhandels-Verkauf der Platten wechselt allmählich vom Spielzeug- und Fahrradhandel zum Musikalienhandel und zu Spezialgeschäften

 

1906

In Hannover arbeiten 200 Pressen, Tagesausstoß 36.000 Platten.

 

1907

In Hayes bei London erwirbt The Gramophone Company ein Grundstück mit Bahnanschluss. Hier entsteht eine neue umfangreiche Fertigungsstätte. Der ursprüngliche Plan, nur in Hannover zu produzieren, musste wegen des weltweit anschwellenden Bedarfs revidiert werden.

Der erste Spatenstich für Hauptverwaltung, Fabrik und Studios erfolgt durch den Tenor Edward Lloyd im Februar 1907, die Grundsteinlegung im Mai durch die Sängerin Nellie Melba.

Rodkinson geht von Berlin nach Indien, die Leitung der DG AG übernimmt Leo B. Cohn (ändert seinen Namen nach Heirat der Sängerin Elisabeth von Endert in Curth).

In großen Sälen werden Konzerte mittels Grammophon-Apparaten angeboten. Um die Schalleistung zu erhöhen, konstruieren DG-Techniker ein mit Pressluft-Verstärkung arbeitendes „Auxetophon“, dem aber wegen der Nebengeräusche nur kurzes Leben beschieden ist.

Erste trichterlose Apparate kommen auf, bei denen die Schallführung in ein Gehäuse integriert ist.

 

1908

Vor-Kriegs-Rekord-Ausstoß 6,2 Mio. Platten pro Jahr.

Kauf des Fabrik-Grundstücks in der Podbielskistraße, Hannover; Rückwandelung des Firmennamens (s. 1900).

In den Grammophon-Apparate-Werkstätten am Standort Berlin sind inzwischen über 100 Mitarbeiter beschäftigt. Laufwerke und Schalldosen kommen nach wie vor aus den USA.

Der Arrangeur und Produzent Bruno Seidler-Winkler erwirbt sich große Verdienste durch speziell für die Plattenaufnahme geschriebene Instrumentationen.

Als Aufnahmetechniker in Berlin wirken die Brüder Max und Franz Hampe (Deutsche Grammophon AG) und die Recording Pioniere Fred Gaisberg, William Sinclair Darby, Charles A. Scheuplein und Ivor R. Holmes (The Gramophone Company, Hayes).

 

1909

Der „Schreibende Engel“ wird durch „Die Stimme seines Herrn“ ersetzt.

Um Vorbilder für den Einzelhandel zu geben, wird die Grammophon Spezialhaus GmbH gegründet und eröffnet Filialen in Berlin, Breslau, Düsseldorf, Köln, Königsberg, Kiel und Nürnberg.

 

1913

nimmt zum ersten Mal ein voll besetztes Orchester, die Berliner Philharmoniker unter Arthur Nikisch, Beethovens 5. Sinfonie auf vier doppelseitigen Platten für die Deutsche Grammophon Gesellschaft auf.

 

1914

Nach Ausbruch des ersten Weltkriegs werden in Großbritannien deutsche Vermögenswerte beschlagnahmt. Als Gegenmaßnahme wird in Deutschland britisches Vermögen sequestriert und zum Kauf angeboten, darunter, weil Tochter einer englischen Firma, auch die DG AG.

 

1917

Am 24. April kaufen die Polyphon Musikwerke, am 24.5.1895 in Leipzig-Wahren gegründet, die DG AG. Die Polyphon Musikwerke stellten vorzugsweise mechanische Musikwerke mit Stimmkämmen und Orchestrien her.

 

1918

Beide Unternehmen firmieren gemeinsam unter Polyphon AG und vereinigen ihre Hauptverwaltung in der Markgrafenstr. 76, Berlin; dort werden die Aufnahmemöglichkeiten auf drei Räume erweitert. Generaldirektor wird Bruno Borchardt; Direktor der Tochter DG AG wird Hugo Wünsch, seit 1908 Prokurist bei Polyphon Musikwerke. Joseph Berliner verbleibt im Vorstand der DG AG bis zu seinem Ausscheiden 1921. Leo B. Curth, bis 1918 Vorstand der DG AG, übernimmt die Grammophon Spezialhaus GmbH.

 

1919

Gründung der Österreichischen Tochter Polyphon-Sprechmaschinen und Schallplatten GmbH in Wien.

Gründung der Dänischen Tochter Nordisk Polyphon A. S. in Kopenhagen.

Gründung der Schwedischen Tochter Nordisk Polyphon A. B. in Stockholm.

Da große Teile des früheren, weltweit erfolgreichen Vorkriegs-Repertoires wegen eigentumsrechtlicher Trennung von der früheren englischen Muttergesellschaft nicht mehr genutzt werden können, muss zügig neues geschaffen werden. Karl Holy, Oberregisseur an der Berliner Staatsoper, und Hans B. Hasse, Dirigent und Leiter der Aufnahmeabteilung der neu zusammengestellten Firmengruppe, Techniker Walter Buhre, Oskar Blaesche, Paul Goile, Fritz Lehmann, Herr König und Carl Friedrich Ehrich schaffen in wenigen Jahren, und dann sogar mit Bestand bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs, einen neuen, attraktiven Katalog unter Mitwirkung von Maria Ivogün, Emmi Leisner, Heinrich Schlusnus, Tino Pattiera, Wilhelm Kempff, Wilhelm Backhaus, Raoul v. Koczalski, Carl Flesch, Richard Strauss, Hans Pfitzner, Leo Blech, Herman Abendroth u. a. Die Aufnahmen finden in Berlin zumeist statt in der Musikhochschule am Zoo, im Bach-Saal, in der Liedertafel (Urbanstraße), in der Alten Jakobstraße, im Beethoven-Saal und im Kino-Saal an der Lützowstraße. Die Räume wurden stets mit Teppichen und Vorhängen so weit wie möglich gedämpft. Veranlasst durch die Schwächen der akustischen Aufnahme hat sich bis etwa 1946 in der gesamten Branche die Auffassung gehalten, dass eine Aufnahme nur den direkten Schall der Instrumente und Stimmen enthalten darf. (Erst Keilholz brachte nach 1946 von seiner Praxis bei der Reichsrundfunkgesellschaft die mit modernerer Breitbandtechnik mögliche, räumlich atmende Klanggestaltung mit.)

Robert Blanke wird als Prokurist Leiter des Werkes Hannover.

 

1922

Bereits drei Jahre vor der weltweiten Einführung elektroakustischer Aufnahme- und Wiedergabeverfahren stellt Walter Buhre der DGG Wachsaufzeichnungen mit Hilfe eines selbst experimentell hergestellten, elektromagnetischen Schreibers intern vor.

 

1924

Berliner verkauft seine GRAM-O-PHONE CO. einschließlich NIPPER-Warenzeichen an die Victor Talking Machine Co.

 

1925

verfasst der DGG-Ingenieur Walter Buhre einen Laborbericht über die erfolgreiche Entwicklung und Einführung eines selbstentwickelten elektromagnetischen Schreibers, der in der Lage ist, 100 bis 4500 Hz aufzuzeichnen.

Das akustisch-mechanische Aufnahme- und Wiedergabe-System wird weltweit bei allen Rundfunk- und Schallplattenstudios sukzessive durch das elektroakustisch-magnetische System ersetzt.

 

1926

Bei der DGG ersetzt Dr. Waldemar Hagemann das Graphitieren der Wachsplatten (um ihre Oberfläche für die galvanische Behandlung leitend zu machen) durch elektrochemische Versilberung.

In Berlin wird Walter Schindler von Walter Buhre als Feinmechaniker, später Werkstattleiter, eingestellt.

 

1927

Erste Schallplattenaufnahme mit Wilhelm Furtwängler, Beethoven 5. Symphonie, Berliner Philharmoniker.

Matrizen-Austauschvertrag zwischen DGG und der Brunswick-Balke-Collander Co. in Chicago, der nicht nur den Zugang zum damals attraktivsten Jazz-Repertoire erschließt, sondern auch die Möglichkeit zum Import amerikanischer elektrischer Aufnahme- und Wiedergabgeräte, die in der Werkstatt nachgebaut werden.

 

1928

Erste Gesamtaufnahme von Beethovens Missa Solemnis mit den Berliner Philharmonikern unter Bruno Kittel auf elf 30-cm-Platten. Weihnachten erreicht eine 30-cm Ausgabe „Erzengel Gabriel verkündet den Hirten Christi Geburt“ erstmals die Millonen-Auflage.

Gründung der Nippon Polydor Chikounki K. K. in Tokio.

 

1929

Am 3. August dieses Jahres stirbt Emil Berliner in Washington.

Victor Talking Machine Co. verkaufen die von Berliner erworbene Rechte und Warenzeichen an die RCA.

Gründung der Societée Phonographique Française Polydor S. A. unter der Leitung von Herbert Borchardt und Erna Elchlepp. Tonmeister in Paris wird Herr König.

Höhepunkt der Fertigung: ex Hannover 10 Millionen Platten, 83.000 Tagesrekord

DG AG beteiligen sich an der KLANGFILM GmbH in der Erwartung eventueller Nutzungsmöglichkeiten bei der Plattenaufnahme, geben die Beteiligung aber 1932 wegen negativer Prognose wieder auf.

In den Zwanziger Jahren gehörten dem Aufsichtsrat der DG AG unter anderem an: Dr. Gustav Stresemann, der frühere Reichskanzler Fehrenbach, der ehem. Reichswirtschaftsminister Dr. von Raumer, Cyrus Thomas Pott (Union Corp., London), Gerrit Kreyenbroek (Teixeira, Amsterdam), Dr. Curt Sobernheim (Kommerz & Privatbank AG), Hans Arnhold (Gebr. Arnhold, Dresden/Berlin) und Martin Schiff.

 

1930

Im März werden angesichts der sich schon 1929 abzeichnenden Weltwirtschaftskrise die stark angewachsenen Auslandsaktivitäten – vermutlich, um sie in einem als neutral und sicher bewerteten Land vor aufziehenden Unwägbarkeiten zu schützen – in einer Holding in der Schweiz, der Polyphon-Holding AG in Basel, zusammengefasst. 1932 wird diese Holding in Polydor Holding AG umbenannt.

 

1932

Wegen katastrophalen Geschäftsrückgangs in der Apparatefabrik der Polyphon Werke AG in Leipzig werden diese mit der Deutschen Grammophon AG verschmolzen. Bald darauf werden die Werke in Leipzig ganz stillgelegt.

Die Tonstudios ziehen aufgrund von zu starken Verkehrsgeräuschen von der Markgrafenstraße in die Lützowstraße 111/112.

 

1933

Deutsche Grammophon AG trennen sich von der Polydor Holding in Basel und geben die Holding-Aktien ab.

Unter dem Druck internationaler Urhebergesellschaften und technischer Neuerungen (Rundfunk, Großübertragungsanlagen, Tonfilm, später Tonbandgeräte etc.) gründen die Schallplattenfirmen einen Schutzverband, die „Internationale Vereinigung der Phonographischen Industrie“ (IFPI), die rasch an Bedeutung gewinnt und der von 1961 bis 1964 Dr. Walter Betcke, Geschäftsführer der DGG, vorsteht.

 

1934

Aufgrund depressiver Geschäftslage werden die repräsentativen Geschäftsräume in der Berliner Markgrafenstraße aufgegeben und bescheidene Büros in der Jerusalemer Straße 65-66 bezogen.

 

1936

verfassen Dr. Emil Duhme und Alexander Schaaf bei der DGG erstmals eine systematische Klassifikation und quantitative Auswertung von Schallplattengeräuschen.

 

1937

Die Hauptaktionäre der DGG sind wegen zunehmender rassistischer Diffamierung ausgewandert und bemühen sich um Verkauf ihrer Anteile. Ein Interims-Vorstand bringt als Gesundungsgrundlage eine Kapitalzusammenlegung zustande und ermöglicht damit einem Konsortium aus Deutsche Bank und Telefunken Gesellschaft für drahtlose Telegraphie mbH einen Sanierungsversuch, indem die DG AG liquidiert und stattdessen die Deutsche Grammophon GmbH gegründet wird. Telefunken hatten Interesse, weil ihre eigene, 1932 gegründete Telefunken Platte GmbH keine eigene Fertigungsstätte besaß. Durch die Zusammenarbeit wird der allmähliche Wiederaufstieg auch der DGG mbH eingeleitet, zumal die gesamte Fertigung der Telefunken Platte nunmehr in Hannover dazukommt und die nicht durch zeitweiligen Mittelausfall gebremste, modernste Telefunken-Aufnahmetechnik mitbenutzt werden kann.

 

1938

Maßnahmen zur Neugestaltung Berlins (u. a. durch Albert Speer) bewirken, dass DG ihr Studio in der Lützowstraße 111/112 aufgeben und in die Räume des ehemaligen Zentral-Theaters in der Alten Jakobstraße verlegen müssen, wo jedoch eine weit bessere akustische und technische Situation entsteht. In der Folge wird massiv hochwertiges neues Repertoire mit den Berliner Philharmonikern und der Kapelle der Staatsoper aufgenommen; zu den schon unter Vertrag stehenden Dirigenten Paul van Kempen, Carl Schuricht, Richard Strauss kommt erstmals der junge Herbert von Karajan hinzu mit ersten Aufnahmen im neuen Studio. Zu den Solisten zählen Wilhelm Kempff, Elly Ney, Alfred Sittard, Georg Kulenkampff, Erna Berger, Tiana Lemnitz, Viorica Ursuleac, Walther Ludwig, Julius Patzak, Helge Roswaenge, Heinrich Schlusnus, Franz Völker und andere mehr.

Für diese hochwertigen Produktionen wird das Etikett „Grammophon Meisterklasse“ eingeführt.

Die Verwaltung der DGG mbH wird in größere Räume nach der Ringbahnstrasse 63 in Berlin-Tempelhof verlegt.

 

1941

Ein bedeutendes Vertragswerk zwischen Siemens und AEG bringt alle Telefunken-Anteile zur AEG und alle DGG-Anteile zu Siemens, wodurch Siemens zum Alleininhaber der DGG werden. Wie sich im weiteren Verlauf zeigt, wird das zum Grundstein für eine der erfolgreichsten Epochen der DGG. Dr. Ernst von Siemens und Vorstandsmitglied Dr. Adolf Lohse nehmen fortan regen Anteil am Geschehen in der DGG.

Mitten im Krieg erscheint die ungekürzte Matthäus-Passion auf achtzehn 30-cm-Platten. Ein blockadebrechendes U-Boot bringt sogar die Matrizen nach Japan, wo bis Kriegsende 17.000 Sätze des Werks verkauft werden.

 

1942

entwickelt Dr. Emil Duhme (Siemens) bei der DGG die Vakuum-Versilberung (anstelle der elektrochemischen Versilberung). Die damit gefertigten Platten erhalten auf Anraten von Hans Domizlaff, Siemens' Berater für Stil- und Marken-Fragen, ab 1943 folgenden Aufdruck:

 

1943

E-Musik = hellblaues Etikett, Siemens Spezial, Experimentalschallplatte nach dem Silberverfahren des elektroakustischen Forschungslaboratoriums; U-Musik = rotes Etikett, Siemens Polydor, hergestellt nach dem elektroakustischen Verfahren für Tonreinheit und großen Tonumfang.

Einige hochwertige Produktionen, wie Beethoven 7. mit dem Staatsopernorchester Berlin unter Herbert v. Karajan und Don Quixote von und unter Richard Strauss mit dem Bayerischen Staatsorchester, werden noch realisiert.

1. Januar: Siemens delegieren Dipl.-Ing. Helmut Haertel als Stellv. Geschäftsführer zur DGG.

Den letzten Kriegsjahren fallen das Berliner Studio und erhebliche Teile der Fabrik in Hannover zum Opfer. Haertel und Blanke leiten den Wiederaufbau. Mit ein paar erhalten gebliebenen Pressen kann alsbald wieder ein Notbetrieb in Gang gesetzt werden.

 

1945

genehmigt die Englische Besatzungsbehörde die Einstellung von 50 Hilfskräften zu Aufräumungsarbeiten. Direktverkäufe an die Besatzungskräfte bringen die ersten notdürftigen Einnahmen. Der am 16.8.1945 zunächst gegen 50.- RM Taschengeld pro Monat dem „Elektroakustischen Labor“ zugewiesene neue Mitarbeiter P. K. Burkowitz beginnt, zusammen mit Ing. Thieme von der SIEMENS-Niederlassung Hannover, mit dem Bau eines ersten, behelfsmäßigen Mischpults, damit wieder Aufnahmen gemacht werden können. In der Formgebung angelehnt an den V35 der RRG (Reichsrundfunkgsellschaft), wird das Pult Anfang 1946 fertig, muss sich aber mit den zu der Zeit auffindbaren Bauteilen begnügen (die in einigen Fällen – wie z. B. geschirmte Kabel – nachts aus verlassenen Flak-Stellungen „ausgebaut“ werden mussten).

Erste Aufnahmen auf Magnetophonband im Oktober im Capitol, Hannover.

Heinrich Keilholz, der fundierte Aufnahme-Erfahrung aus der RRG mitbringt, tritt seine bis 1960 währende Tätigkeit als Leiter der Aufnahmeabteilung bei der DGG an.

 

1946

Im Mai stellen Gerd Schöttler und Alexander Schaaf bei der DGG ihre Version einer modulationsabhängigen Rillenabstands-Steuerung vor (patentiert 28. 12. 48).

Nach Öffnung der Reisesperren kehrt Burkowitz am 31. August an seinen Familienwohnsitz nach Berlin zurück und nimmt dort eine Tätigkeit als Toningenieur beim RIAS auf.

Biers und A. Schaaf beginnen bei der DGG mit der Verwendung von Pressmaterialien ohne Füll- und Schleifstoffe.

 

1948

Da nicht mehr im Auslandsgeschäft einsetzbar, wird das Logo „DIE STIMME SEINES HERRN“ an den früheren Inhaber The Gramophone Co und dessen neue Deutsche Tochter Electrola verkauft.

Der Musikwissenschaftler Dr. Fred Hamel beginnt mit dem Aufbau der weltweit Beachtung und Erfolg erlangenden Archiv Produktion.

Konkurrent Columbia bringt in USA erste 30 cm 33⅓ UpM Langspielplatten (LP in Vinyl) heraus. Mit dem Konkurrenten RCA, die auf 17 cm 45 UpM setzen, bricht ein Format-Wettstreit aus.

 

1949

Die als unzweckmäßig erkannte Verbindung des Firmennamens „Siemens“ mit Schallplatten-Etiketten wird revidiert. In Zusammenarbeit mit Hans Domizlaff entstehen das Gelbetikett Deutsche Grammophon Gesellschaft für E-Musik und das rote Polydor-Etikett für U-Musik.

 

1950

Dr. Hans-Werner Steinhausen wechselt von der Telefunken-Platte GmbH in die Technische Leitung der DGG und wird 1958 Geschäftsführer.

Die U-Produktion wird von Hannover nach Hamburg auf das Gelände der Studio Hamburg GmbH verlegt. Studio-Leiter der U-Produktion wird Alfred Schmidt.

Die DGG macht erste Stereo-Bandaufnahmen für Vergleichstests und Verwendung auf Schallplatten.

 

1951

Inzwischen wurden u. a. folgende namhafte Künstler gewonnen: Dietrich Fischer-Dieskau, Christel Goltz, Josef Greindl, Elisabeth Höngen, Annelies Kupper, Fritz Lehmann, Wilma Lipp, Max Lorenz, Enrico Meinardi, Wolfgang Schneiderhan, Irmgard Seefried, Carl Seemann, Elfriede Trötschel, Hermann Uhde, Wolfgang Windgassen, Wilhelm Kempff, Leopold Ludwig und Walther Ludwig.

In Deutschland wird die Kunststoff-LP mit 33⅓ U/min marktgängig.

Auf der Funkausstellung erregen zwölf Gelbetikett-LP-Neuerscheinungen wegen ihrer herausragenden Qualität und der erstmaligen Unterbringung auf einer LP-Seite großes Aufsehen, u. a.: Mendelssohn Sommernachtstraum, BPO, Fricsay; II. Brahms, BPO, Jochum; Mozart, Kleine Nachtmusik, Kammer-Orch. des Bayr. Rdfk., Jochum; Brahms Orchester-Variationen über ein Thema von Haydn op. 56, Leitner, Württembergisches Staatsorchester Stuttgart.

 

1952

Prof. Elsa Schiller, bislang Musikchefin des RIAS-Berlin, wird E-Produktionsleiterin der DGG.

Die erste Opern-Gesamteinspielung erscheint auf LP: Lortzings „Zar und Zimmermann“, Auftakt zu einer langen Reihe kompletter Opern auf Gelb-Etikett.

Kurt Richter wird Leiter der U-Produktion.

Heinrich Keilholz, Leiter der DGG-Aufnahmeabteilung, stattet die Wiener Staatsoper erfolgreich mit neuartigen, dekorstilisierten Akustik-Elementen aus

 

1953

Dr. Ernst von Siemens wird Vorsitzender des Aufsichtsrats der DGG.

Industrieweit wird die 17-cm-Platte mit 45 U/min eingeführt.

 

1954

Die DGG gründet in London ihre Tochter Polydor UK, Ltd.; Managing Director wird Werner Riemer, zuvor Export-Div., Hannover.

Die DGG nimmt erstmalig ein komplettes Werk der Literatur auf LPs auf: Goethes „Faust“.

84 % der Auslieferungen sind noch 78er-Schellack-Platten.

Das Werk in Hannover wird um 1000 qm vergrößert.

 

1956

Geschäftsleitung, Hauptverwaltung und Aufnahmeabteilung der DGG werden von Hannover nach Hamburg verlegt.

 

1957

In Langenhagen bei Hannover wird für künftige Spritzguss-Plattenfertigung der Grundstein für eine neue Fabrikationsanlage gelegt.

Nach dem großen Erfolg von „Faust I“ (Düsseldorf, Gründgens) wird das „Literarische Archiv“ (grünes Etikett) gegründet, dem künftig Aufsichtsrat-Mitglied Dr. Adolf Lohse volle Aufmerksamkeit widmet.

 

1958

Die DGG veröffentlicht ihre erste Stereo-LP. Stereo-Aufnahmen wurden, wie bei den meisten Konkurrenten, jedoch „auf Vorrat“ schon ab 1954 gemacht. Wegen der fortschrittlichen Tonabnehmer-Entwicklung können Stereo-LPs in Deutschland frühzeitiger als „Mono-kompatibel“ (auch auf Mono-Geräten abspielbar) angeboten werden.

Die Fertigung von 78ern in Schellack wird eingestellt. Am Markt haben sich die Vinyl-Formate (LP 33⅓ und Single 45 U/min) für das jeweils passende Repertoire durchgesetzt und etabliert.

 

1959

Herbert von Karajan wird von der DGG erneut langfristig unter Vertrag genommen.

In Langenhagen – gleich neben dem Gelände der späteren EBS-Studios – läuft die Spritzgussfertigung an, zunächst mit 40.000 Stück pro Tag, steigerungsfähig auf 120.000 Stück.

 

1960

Der Umfang der DGG-Kataloge erreicht mit mehr als 5.000 Titeln namhaftester Künstler aller Stilrichtungen einen neuen Spitzenplatz am Welt-Musikmarkt.

Die Aufnahmeabteilung wird räumlich getrennt; Die Studios werden zurück nach Hannover in die Podbielskistraße verlegt, die Produktion bleibt in Hamburg.

 

1961

Dr. Walter Betcke, Geschäftsführer der DGG, wird für eine Amtszeit zum Vorsitzenden der IFPI gewählt.

Horst Söding, Chef der Entwicklungsabteilung bei der DGG, stellt intern die erste experimentelle Entwicklung einer Bildplatte (Video Disc) vor.

 

1962

Die Siemens AG, München, und Philips Gloeilampen Fabrieken N. V., Eindhoven/Niederlande, beschließen, angesichts der beiderseits zu erwartenden Vorteile (DGG = überragendes Repertoire – PPI = weltweit eigene Niederlassungen) ihre Töchter DGG und PPI (Philips Phonographische Industrie) unter Beibehaltung rechtlicher Unabhängigkeit wirtschaftlich zusammenzulegen. Die gemeinsame Arbeitsbezeichnung ist zunächst „GPG“ (in D = Grammophon-Philips-Gruppe, in NL = Gruppe Philips Grammophon). Präsident wird Coen Solleveld, F & A Johannes van der Velden, Distribution & Sales Kurt Kinkele, Engineering Dr. H. W. Steinhausen, Polydor Int. Dr. Werner Vogelsang, PPI Piet Schellevis, DGG Richard Busch, Philips Reinhard Klaassen.

Die Gruppe übernimmt Firma und Label Mercury (US).

Immelmann entwickelt bei GPG-Hannover ein vollautomatisches elektronisches Platten-Prüfsystem.

Immelmann entwickelt bei GPG-Hannover ein vollautomatisches elektronisches Platten-Prüfsystem.

 

1964

Nach Ablauf seiner Amtszeit übergibt Dr. W. Betcke den Vorsitz bei der IFPI an Richard Dawes, EMI.

 

1965

Start der Serienfertigung von MusiCassetten (MC) in Hannover.

 

1967

Peter K. Burkowitz übernimmt die auf GPG-Gruppenebene geschaffene Zuständigkeit für Aufnahme-Betrieb und -Technik „GRM“ (Group Recording Management) mit Sitz in Hannover, alternativ Baarn in Holland. Technische Planungs-, Bau- und Service-Kapazitäten werden nach Bedarf und Zweckmäßigkeit auf beide Standorte verteilt und Koordinierungsmaßnahmen auf allen Ebenen eingeleitet. Für die Studios der Landes-Niederlassungen wird zentrale Betreuung geschaffen und mit Vereinheitlichung, Modernisierung und Rationalisierung in geeigneten Belangen begonnen.

Mit Dr. Steinhausen finden erste Sondierungsgespräche wegen Verlegung der Tontechnik-Arbeitsplätze aus Hannover nach Langenhagen in einen dort neu geplanten Verwaltungsbau statt. Eine schon zu der Zeit angedachte, aus akustischen Gründen (Autobahnnähe) bevorzugte Lösung in Form eines separaten Baukörpers ist wegen begrenzter Finanzierungsmittel nicht realisierbar, wird aber auch nicht endgültig verworfen.

 

1969

Aufnahmeabteilung, Tontechnik und GRM ziehen um nach Langenhagen in den Verwaltungs-Neubau.

C. Olms, Studioleiter Polydor London, beschreibt die Prinzipien und Lösungsmöglichkeiten für die automatische Wiederholung von Arbeitsabläufen am Mischpult.

P. K. Burkowitz erkundet anlässlich einer US-Rundreise Säle, Studios und Aufnahmeeinrichtungen der bekanntesten Labels in New York, Chicago, Montreal, Detroit, Philadelphia, Pittsburgh, Cleveland, Cincinnati, Nashville, Memphis, Boston, San Francisco und Los Angeles. Die dabei in Boston erhaltene und umgehend nach Hamburg an Kurt Kinkele weitergegebene Information über auslaufende Vertragsbindung des BSO mit RCA führt zu einem langfristigen neuen Vertrag mit der DGG, für die dann dort (erstmalig in der Symphony Hall) ein eigener Regieraum eingebaut werden kann (s. Abb. weiter unten), modernes Transistor-Analog-Pult aus der Werkstatt des GPG-Audio-Engineering Dpt. Baarn; örtliche Projekt-Überwachung in Boston: Paul Meister, GPG-Audio-Engineering Dpt. Hannover).

 

1970

Erste 4-Kanal-Aufnahmen für 4-spurige Quadrophonie-Platten.

In den Niederlanden findet das erste weltweite Group Recording Managers Meeting statt (Studio-Leiter der Landesgesellschaften). Viele sehen ihre Kollegen aus anderen Ländern zum ersten Mal. Es stellt sich großer Bedarf für und Interesse an zeitgerechter technischer Information heraus. Hierfür wird eine reguläre künftige Versorgung eingerichtet, in die eine Anleitung zu praktischen und wirtschaftlich sinnvollen Harmonisierungen eingebunden wird.

 

1971

Siemens und Philips formalisieren GPG zu PolyGram.

Nach jahrelanger, internationaler Vorarbeit von Johann L. Ooms – ehem. Chefingenieur für Elektroakustik bei PPI – und regionalen Initiativen von P. K. Burkowitz und diversem Technischen Leitern einschlägiger europäischer Unternehmen, findet erstmals eine Convention der Audio Engineering Society (AES) auf europäischem Boden, in Köln, statt. Die Veranstaltung markiert den Beginn einer neuen (notwendigen) internationalen, engen Verknüpfung von Kenntnis über und Erfahrung mit Technologien und Neuerungen. Burkowitz leitet die drei ersten Treffen in Köln 1971, München 1972 und Rotterdam 1973; siehe auch folgenden Link: AES History: Background Information – AES Amsterdam 2008 (2. April, 2008)

Am 8. Februar 1971 wird der Regieraum in der Boston Symphony Hall offiziell in Gegenwart von Presse eröffnet.

 

1972

Die Klassik-Teams von DGG und Philips (PolyGram) werden planmäßig mit 8-, bald darauf mit 16-Spur-Maschinen ausgestattet (Studer).

 

1976

werden die ersten digitalen Testaufnahmen auf Sony PCM1 durchgeführt. Parallel wird weiter auf analogem Tonband aufgezeichnet.

 

1977

Lothar Schmidt und Gorski, POLYGRAM-AED Hannover, realisieren das erste automatisierte Abmischsystem mit Zwischenspur-Datenaufzeichnung und Echtzeit-Datenerneuerung.

 

1979

PolyGram rüstet Klassik-Teams und Landesgesellschaften zügig mit marktgängigen Digitalmaschinen aus und beginnt systematisch mit der Umstellung auf digitale Aufnahmeverfahren.Für Stereoaufnahmen kommen Sony PCM 1600, für Mehrspuraufnahmen 3M und SONY 3324 Multitrackmaschinen zum Einsatz.

 

1980

Unter der technischen Gesamtleitung von Dr. Hermann R. Franz entwickeln PolyGram-Ingenieure (Fertigungstechnik – Dieter Soiné, Entwicklungsabteilung – Horst Söding) aufgrund eigener, bis 1961 zurückreichender Labor-Erfahrungen in Hannover die gesamte, zum CD-System gehörende Technologie der CD-Plattenfertigung. Die Märkte werden ab 1982 beliefert.

 

1981

DG-Tonmeister Karl-August Naegler erhält in der Kategorie „Best Engineered Album, Classical“ einen Grammy Award für seine Aufnahme von Alban Bergs Lulu (Orchestre de l'Opéra de Paris, Pierre Boulez)

 

1983

Nach Erreichen des Ruhestandalters und einem weiteren Jahr Beratertätigkeit übergibt Peter K. Burkowitz seinen betrieblichen Aufgabenbereich an Prof. Dr. Hans Hirsch (Chef E-Musik DGG) und seinen technischen Aufgabenbereich an Ing. Han Tendeloo (Chef Group-Adva). Die Leitung des DGG-Aufnahme-Bereichs übernimmt Klaus Hiemann.

 

1984

Erste CD-ROMs (read-only memory) werden in Hannover gefertigt

 

1985

Unter dem Logo PDO beginnt eine 6-jährige Zusammenarbeit zwischen Philips und Dupont Optical.

 

1986

wird erstmals digitale Verzögerungstechnik eingesetzt um Laufzeitunterschiede zwischen Haupt- und Stützmikrofone auszugleichen.

 

1987

Die CD-Video mit Analog-Bild und Digital-Ton entsteht.

Anlässlich der Funkausstellung in Berlin erläutert Peter K. Burkowitz auf Einladung von Philips interessierten Besuchern Grundsätze der Aufnahmepraxis im „Digitalzeitalter“. Anschließend ergab sich die Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch mit dem auch anwesenden Oliver Berliner über Situation und Pläne der Nachkommen Emil Berliners und die Einschätzung weiterer Entwicklungen.

 

1989

Bei 2-Spur-Aufnahmen wird die Pegelauflösung von 16 Bit auf 24 Bit angehoben.

 

1990

High-Capacity-Discs (Vorläufer der DVD) werden entwickelt.

 

1991

Restliche Fertigungseinrichtungen in Hannover, Podbielskistraße, werden nach Langenhagen verlagert.

Erste Aufnahmen in „4D“-Technik entstehen (A/D-Umsetzung so nahe wie möglich beim Mikrofon, auf langen Kabelwegen zum Mischpult nur digitale Signale, Auflösung im Mischprozess > CD-Standard, Auflösung in der Aufzeichnung > CD-Standard).

DG-Produzent Hans Weber erhält in der Kategorie „Best Classical Album“ einen Grammy Award für seine Aufnahme von Charles Ives' Orchesterwerken (New York Philharmonic, Leonard Bernstein). Für den Klang der Aufnahme ist Klaus Scheibe als Tonmeister verantwortlich.

 

1992

DG-Tonmeister Gregor Zielinsky erhält in der Kategorie „Best Engineered Album, Classical“ einen Grammy Award für seine Aufnahme von Leonard Bernsteins Candide (London Symphony Orchestra, Bernstein).

 

1993

Das bei PolyGram Hannover entwickelte CD-Recycling-Verfahren wird patentiert.

Bei 2- und 4-Spur-Aufnahmen wird die Pegelauflösung von 16 Bit auf 24 Bit angehoben (Nagra-D).

 

1994

Auch bei Mehrspur-Aufnahmen (> 4) wird 24-Bit-Technik eingeführt. Dazu werden die DASH-Maschinen (Sony) von der hauseigenen Audio Engineering-Abteilung unter der Leitung von Stefan Shibata modifiziert..

Die PolyGram-Produktionsstätte Hannover/Langenhagen firmiert um in PolyGram Manufacturing & Distribution Centres GmbH (PMDC).

DG-Tonmeister Rainer Maillard erhält in der Kategorie „Best Engineered Album, Classical“ einen Grammy Award für seine Aufnahme von Bartóks The Wooden Prince und Cantata Profana (Chicago Symphony Orchestra & Chorus, Pierre Boulez).

 

1995

Erste spielbare High-Capacity Discs werden auf den Markt gebracht

 

1996

Gute Geschäftsentwicklung und die Außerbetriebnahme des Langenhagener Verwaltungsbaus ermöglichen es Klaus Hiemann, nicht nur den alten Plan einer separaten Unterbringung zu verwirklichen, sondern dem Ganzen endlich einen gebührenden, von häufigen kommerziellen Wechseln unabhängigen Namen zu geben: Das Emil Berliner Haus. Nach Fertigstellung bezieht das Recording Center von PolyGram Hannover auf dem Firmengelände in Langenhagen das für seine Zwecke errichtete, durchweg ebenerdige Gebäude. An der Einweihung kann auch Oliver Berliner wieder teilnehmen. Auch die Straße vor dem Gelände wird umbenannt, und so gibt es nun in Hannover-Langenhagen eine Emil-Berliner-Straße.

PolyGram Hannover überschreitet die Marke von 1 Milliarde gefertigte CDs.

Die Fertigung von DVDs mit der Speicherkapazität von 7 CD-ROM (DVD-5) läuft an.

 

1998

„100 Jahre Schallplatte“ wird gefeiert.

Der US-Konzern Seagram übernimmt von Philips die PolyGram-Anteile und gliedert sie in seine Universal-Unternehmen ein. Dadurch entsteht unter dem neuen Dach die weltgrößte Musikgruppe.

Die DVD-9 (entspricht 13 CD-ROM) geht in Serie.

Im Emil Berliner Haus werden die ersten Aufnahmen mit 96 kHz Abtastfrequenz produziert.

 

1999

PMDC wird umbenannt in Universal Manufacturing & Logistics GmbH (UML), und aus PolyGram Recording Services (PRS) wird Universal Recording Services (URS).

Beginn der Digitalisierung von Repertoire für den elektronischen Handel.

Bei einer Aufnahme mit Max Raabe und seinem Palast Orchester kommt neben modernen Studio-Kondensatormikrofonen auch ein historisches Reisz-Mikrofon aus den späten 20er-Jahren zum Einsatz. Es stammte aus dem Museum der Fa. Georg Neumann und wurde von Manfred Hibbing (Fa. Sennheiser) restauriert.

 

2000

Emil Berliner Studios: Unter dem Namen des „Urvaters“ der Schallplatte werden alle Dienstleistungen des bisherigen Recording Centers zusammengefasst (Aufnahme-Durchführung, Aufnahme-Technik und -Technologie, Tonband-Bearbeitung, Fertigungsvorbereitung (Mastering), Archive.

Auf der Musikmesse MIDEM wird Klaus Hiemann im Rahmen der Cannes Classical Awards für sein Lebenswerk geehrt und erhält den Emile Berliner Memorial Award for Lifetime Achievement.

Der französische Konzern Vivendi fusioniert mit Universal Music zu Vivendi-Universal.

 

2001

Januar: Seit Ende 1996 sind mehr als 5 Millionen DVDs gefertigt worden.

Bei den Emil Berliner Studios entsteht die erste DVD-Audio.

 

2002

Bei den Emil Berliner Studios wird die Abteilung Media Authoring gegründet, die sich mit dem Authoring der neuen Tonträgerformate DVD-Audio und Super Audio CD beschäftigt und hier anfangs Pionierarbeit leistet. Später kommt mit der DVD-Video auch das Bild hinzu.

Viel Lärm um nichts: Die Fachwelt und Teile der HiFi/High-End-Szene streiten über Sinn oder Unsinn des neuen Aufnahmeformates DSD, auf dem die Super Audio CD basiert, und eventuelle klangliche Vorteile dieses Formats gegenüber PCM, wie es bei der CD und (in hochauflösender Form) bei der DVD-Audio, dem Konkurrenz-Format zur SACD, Verwendung findet. Während die Diskussion vor allem durch hinkende Vergleiche und Marketing-Behauptungen geprägt ist, machen die Emil Berliner Studios als erstes (und einziges?) Studio weltweit den tatsächlichen Vergleich: Im Rahmen einer Aufnahme von Gustav Mahlers 2. Sinfonie mit den Wiener Philharmonikern unter Gilbert Kaplan (Deutsche Grammophon, CD: 474 380-2, SACD: 477 594-2) im Wiener Musikvereinssaal wird die komplette Aufnahmekette hinter dem Mikrofon sowohl in PCM- als auch in DSD-Technik realisiert. Um Klangunterschiede durch unterschiedliche A/D-Wandler auszuschließen, kommen spezielle Wandler zum Einsatz, die beide Formate beherrschen. Das Ergebnis der anschließenden Hörvergleiche im Doppel-Blindtest-Verfahren ist so simpel wie ernüchternd: Kein Unterschied.

 

2005

Die Universal-eigene Fabrik für optische Datenträger auf dem Gelände in Hannover-Langenhagen wird an den amerikanischen Konzern Entertainment Distribution Company (EDC) verkauft.

 

2007

Deutsche Grammophon/Universal trennt sich „aus strategischen Gründen“ von großen Teilen der hauseigenen Emil Berliner Studios. Die Abteilungen Mastering und Media Authoring werden geschlossen und von den jeweiligen Abteilungsleitern als unabhängige Firmen unter neuer Flagge weitergeführt (Eastside Mastering Studios Berlin GmbH unter Leitung von Götz-Michael Rieth und Dirk Niemeier, platin media productions GmbH & Co. KG unter Leitung von Harald Gericke); das umfangreiche Archiv ist bereits zuvor in eine separate Firma ausgegliedert worden. Übrig bleibt die Recording-Mannschaft, die nach wie vor für Deutsche Grammophon und Decca Aufnahmen durchführt.

 

2008

Auf dem Wege eines Management-buy-out wird aus Emil Berliner Studios – Deutsche Grammophon GmbH die neu gegründete, unabhängige Firma EBS Productions GmbH & Co. KG, die mit weitgehend gleichem Team den Namen Emil Berliner Studios weiterführt. Unterdessen wird es in Hannover-Langenhagen immer leerer: Bandarchivbestände werden zur Firma Arvato Digital Services (ehem. Sonopress) im westfälischen Gütersloh überführt.

 

2009

Die Verantwortlichen der Emil Berliner Studios beschließen, dem Standort Hannover-Langenhagen den Rücken zu kehren und nach Berlin umzuziehen. Das dortige Gebäude in der Köthener Straße 38 – nahe am Potsdamer Platz – beherbergt den historischen Meistersaal und außerdem diverse andere Firmen aus dem Bereich Medienproduktion. Die Studios werden praktisch komplett neu gebaut; die Baustelle im Erdgeschoss des Gebäudes dauert fast ein Dreivierteljahr.

Während in Berlin bereits der Bohrhammer dröhnt, finden in den Studios in Hannover-Langenhagen Overdub-Aufnahmen für das Album „Mezzanotte“ mit dem Schauspieler Ulrich Tukur statt. Es sind die letzten Aufnahmen in diesem Gebäude.

 

2010

Die Emil Berliner Studios verlassen den Standort Hannover-Langenhagen und ziehen um nach Berlin. Am 21. 10. feiern sie am neuen Standort den Beginn einer neuen und mit guten Erwartungen begleiteten Epoche ihrer so herausragenden und vielgestaltigen Vergangenheit.

 

 

Hinweis

Der Autor übernimmt keine Gewähr für kalendarische Daten, da die Zahlen in den Quellen nicht immer übereinstimmen.

© 2010 Peter K. Burkowitz †

Ergänzungen ab 1983 und Internet-Aufbereitung: © 2013 Daniel Kemper

Revision & Ergänzungen: © 2020 Rainer Maillard

 

Quellen (Perter K. Burkowitz)

Private Aufzeichnungen, Recherchen, Erinnerungen

eigene Betriebszugehörigkeit: DGG 1945 - 1946, RIAS 1946 - 1953, EMI 1953 - 1967, PolyGram 1967 - 1983.

Oliver Read, Walter L. Welch: „From Tin Foil to Stereo“; Howard W. Sams & Co., Inc.; The Bobbs-Merrill Co., Inc., 2nd edition, Indianapolis, USA. ISBN: 0-672-21505-6

DGG Druckschriften, u. a. „65 Jahre Deutsche Grammophon Gesellschaft, 1898-1963“, „100 Jahre Schallplatte“ – von Hannover in die Welt (P. Becker, O. Heyne, U. Lencher, J. Popp, K. Schäfer, P. Schulze, D. Tasch, W. Zahn, F. R. Zankl).Bruch, Walter „Von der Tonwalze zur Bildplatte“, Sonderdruck aus Funkschau, Franzis Verlag München

Internet, div., z. B. Nipper vor dem Trichter (DIE ZEIT, 2001)

Beilageheft zur DVD „Emil Berliner – Von der Schellackplatte bis zur DVD“, Emil Berliner Studios, 20.5.2001

Bericht von Walter Schindler (eingestellt 1926 in Berlin, 1949 versetzt nach Hannover, 1962 pensioniert), aufgrund einer MC vom 29. 9. 1976 und Gesprächen am 5. 11. 1981 und 21. 2. 1983, zusammengefasst 1982/83 von Ernst Kwoll

Informationen von Lester Smith, Abbey Road Studios

The Gramophone Archive (Internet)

Martland, Peter: „Since records began: EMI – The first hundred years“. EMI-Group plc. 1997, Amadeus Press, ISBN 1-57467-033-6

Edwin Hein: „Ein Name macht Geschichte" - Manuskript Museum für Energie Geschichte(n), Hannover

 

Quellen (R. Maillard)

Edwin Hein: „Ein Name macht Geschichte"  Manuskript, Museum für Energie Geschichte(n), Hannover

Briefwechsel Helmut Haertel & HugoWünsch 1945-1946, Historische Mappen DGG, Museum für Energie Geschichte(n), Hannover

„Pensionärsgespräche" 1956 & 1957, Tonbandaufzeichnungen, DGG-Bandarchiv

 

Haben Sie Anmerkungen, Kritik oder Ergänzungen? Schreiben Sie uns bitte. Wir suchen nach weiteren Quellen und Dokumenten zur Geschichte unseres Tonstudios.