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Vinyl

Half Speed Vinyl Mastering

von Rainer Maillard

Das Prinzip
Beim Schneiden einer Masterfolie, die als Formvorlage für die Vervielfältigung einer Langspielplatte dient, kann das Half Speed Vinyl Mastering Verfahren zur Anwendung kommen. Bei diesem laufen sowohl die Zuspielung (Band oder Computer) als auch die Schneidapparatur mit halber Geschwindigkeit. Bei einer solchen Überspielung reduziert sich die Tonhöhe der Musik auf die Hälfte, wobei sich die Überspielzeit naturgemäß verdoppelt. Wenn die fertig gepresste Langspielplatte wiedergegeben wird, ist die Tonhöhe wieder normal. Eine solche LP sieht wie eine handelsübliche Langspielplatte aus, klanglich stellt dieses Verfahren jedoch eine eindeutige Verbesserung dar.

Welche Überlegungen stehen hinter diesem Prinzip?
Das menschliche Ohr kann Frequenzen zwischen 20 und etwa 20.000 Hz wahrnehmen. Moderne Schneidköpfe sind in der Lage, diese Spanne abzudecken. Aber die Probleme entstehen, wie beim Menschen, immer zuerst bei den hohen Tönen. Die mechanische Beanspruchung der Schneidapparatur ist bei hohen Frequenzen enorm, was zu Limitierungen führen kann. Reduziert man jedoch beim Schneidprozess der Masterfolie die Tonhöhe auf die Hälfte, verschiebt sich der für die Schneidanlage problematische Frequenzbereich auf 10 bis 10.000 Hz, was sich auf die mechanischen Kräfte positiv auswirkt. Vergleichen lässt sich dieser Effekt mit einer rasanten Autofahrt auf einer kurvenreichen Bergstraße. Bei halber Geschwindigkeit werden Material und Fahrer geschont. Die Gefahr von quietschen Reifen und Schrammen an der Felswand reduziert sich drastisch. Auch der Schneidstichel kann bei halber Geschwindigkeit sauberer und verlustfreier eine „kurvenreiche“ Rille in die Platte schneiden.

Klangliche Vorteile beim Half Speed
Durch das Half Speed Vinyl Mastering kann eine deutlich verbesserte Höhenwiedergabe der Langspielplatte erreicht werden. Der Frequenzbereich wird erweitert, die Verzerrungen werden reduziert. Das Prinzip des Half Speed Vinyl Masterings ist nicht neu. Es wurde bereits früher vereinzelt angewendet, entweder weil man die Schneidköpfe vor Überlastung schützen wollte oder weil extrem hohe Frequenzen für die quadrophonische Wiedergabe geschnitten werden mussten. Beide Gründe sind heutzutage nicht mehr relevant, aber aufgrund der eindeutigen klanglichen Verbesserung macht dieses Verfahren wieder Sinn, insbesondere für wertige und audiophile Langspielplatte. Auf diese Weise lassen sich Grenzen des Analog-Machbaren noch weiter ausreizen.

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